Nix hält ewig! So haben irgendwann die Drosselklappenwellen zu viel Spiel, sie wackeln.
Der Motor lässt sich nicht mehr sauber synchronisieren, die Abgaswerte flattern.


Kurz:
Die Drosselklappenteile sind überholungsbedürftig. Das war zumindest der Ausgangsgedanke. Ich hatte neue Lager, AndiP wollte sich an die Überholung wagen und mir dann doch sein altes Drosselklappenteil überlassen. Hierfür ein "Danke “ an AndiP. Es stammt aus einer 1100GS noch ohne Seilzugverteiler, hat also schon ein älteres Konstruktionsdatum.

Konstruktion:
ImageUm den Aufwand für die Überholung des Drosselklappenteils zu verstehen sollte man die Konstruktion kennen. Die Zeichnung zeigt wie der Aufbau konstruiert ist (DK-00t):
Erst mal ist die Welle links und rechts mit jeweils einer Gleitbuchse(rosa) gelagert. Die Buchsen sind gegen je einen Bund im Gehäuse (blau) eingepresst, lassen sich zum Ausbau also nicht einfach durchpressen. Jeweils ein elastisches Ringelchen (orange) dichtet gegen Fremdluft.
Am einen Ende der Drosselklappenwelle ist die Seilscheibe angeschraubt (grün; bei neueren Klappen ist sie gepresst und verstemmt), auf der anderen mit einem Sicherungsring gegen das Durchrutschen gesichert. Dieses Ende ist mit dem Deckelchen luftdicht verschlossen. Es sieht aus als wäre CURIL als Dicht- und Klebemittel verwendet worden.

Auf der verschraubten Seite liegt die Fläche der Seilscheibe an dem Dichtringelchen an.
Hier ist auch die Rückholfeder:
Eine mehrlagige Schenkelfeder ist um eine zweiteilige Kunststofführung (violett) gewickelt die über einem Stutzen des Drosselklappenteils steckt. Das eine Ende der Feder stützt sich gegen eine, mit dem Drosselklappengehäuse verschraubte Platte (magenta), das andere gegen eine Nase an der Seilscheibe. Dadurch versucht die Feder die Drosselklappenwelle immer wieder gegen deren einstellbare Endlage, einer --ebenfalls an der bereits erwähnten Platte befindlichen-- Stellschraube zu drehen.
Mit dieser Stellschraube wird die Grundöffnung der Drosselklappe eingestellt.

Beim Zerlegen des DK-Teils zeigten sich dann einige unerwartete "Effekte“.
Das (auf die Zeichnung bezogen) linke Lager (DK-01t, die heftige Zerstörung stammt vom Ausbau) war weniger ausgeschlagen als erwartet, das rechte ist praktisch OK.
Die Drosselklappenwelle allerdings sah böse aus. Für die Lagerstelle ist "eingelaufen“ kein passender Begriff. Die Welle ist hier brutal verschlissen und einfach nur "fertig“. (Bild DK-02t) Das Zweiflach der Welle auf welchem die Seilscheibe mit Scheibe und Mutter verdrehfest befestigt wird ist verdreht und total ausgeschlagen(Bild DK-03t). Es könnte jemand bemerkt haben, dass sich die Verschraubung gelöst hat und diese dann "nachgezogen" haben. Alternativ aber unwahrscheinlich könnte dies bereits bei der Erstmontage geschehen sein.

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Für die erste Variante spricht, dass auch an dieser Stelle die Welle total von der "klappernden“ Seilscheibe eingeschlagen wurde und sich diese Verschraubung immer wieder lösen mußte. (Andi hat zwischenzeitlich gestanden :-)…)

Fazit:
Die Welle ist Schrott. Weshalb eine relativ weiche Welle (aus Messing) in Gleitlagern (aus Bronze) gelagert wird deren Hersteller gehärteten Stahl als optimale Lösung empfiehlt kann ich nur zu erklären versuchen: Messing rostet nicht und ist recht leicht zu zerspanen. Drosselklappenwellen sind in vielen mir bekannten Vergasern aus Stahl. Bei hochwertigen Vergasern von WEBER sind sie zudem kugelgelagert. Oft laufen die stählernen Wellen jedoch direkt im Druckguß der Vergasergehäuse. Das Ergebnis sind dort ausgeschlagene Bohrungen.
Die Hersteller kennen die Problematik wahrscheinlich genau, stehen jedoch unter Preisdruck und letztlich soll die Konstruktion ja auch gar nicht ewig halten.
Vielleicht ist die Verbindung Welle/Seilscheibe aufgrund der sich lockernden Seilscheibenverschraubung derzeit nicht mehr verschraubt sondern verpresst und verstemmt (Bild DK-05t).
Das eine Kunststoffteil um das sich die Feder wickelt ist total verschlissen. Der Verschleiß geht so weit, dass die Feder offenbar einen Teil des Druckgußgehäuses (Bild DK-06t) abgearbeitet und bei dieser Gelegenheit gleich eines der Dichtringelchen (Bild DK-04t) zerstört hat.
Auch die Seilscheibe hat einen tiefen ringförmigen Einlaufschaden (Bild DK032t). Dieser stammt wahrscheinlich davon weil sie beim Wackeln auf der Welle immer am Drosselklappengehäuse schliff.

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Letztlich:
Um das Drosselklappenteil fachgerecht instand zu setzen sind somit alle Teile mit Ausnahme der Drosselklappe zu erneuern. Unnötig zu erwähnen, dass dies wirtschaftlicher Unsinn ist.

Reparatur-Service (von Bing empfohlen, aber keine Auskunftei!!)
Überholungen, Einstellungen und Ersatzteile von Drosselklappen-Anlagen (Typen 75, 77, 95):
Ralph Engelbrecht; Reparatur und Restauration; Orchideenstrasse 26; 90542 Eckental/Brand; Tel.: (0 91 26) 29 38 86; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!